Zurück zur Heimat

Über Heimat in einem Problemkiez berichten – Eine Reflektion

Grauer Beton, Kriminalität, Armut, Müll und menschliche Schicksale. Wer an Berichterstattung über „Problemviertel“ denkt, hat schnell Bilder im Kopf. Auch wir hatten viele dieser Assoziationen, als wir im Berliner Sozialmonitoring von „Gebieten mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf“ lasen, zu denen der Rollbergkiez gehört.

Uns war klar: Wir wollen einen anderen Zugang zu sogenannten Problemkiezen schaffen. Uns von Vorurteilen lösen und mit den Menschen statt über die Menschen sprechen. Deshalb haben wir fünf Personen aus dem Rollbergkiez gefragt, was für sie Heimat ausmacht.

Was ist eigentlich Heimat?

Heimat ist Wohlfühlort und Kampfbegriff zugleich. Wir haben eine offene Interpretation gewählt, denn Heimat kann vieles sein: Dort, wo man aufgewachsen ist. Da, wo man gerade wohnt. Wo man Menschen auf der Straße grüßt. Oder doch das weit entfernte Land der eigenen Vorfahren. Für viele ist Heimat auch weniger ein Ort als ein Gefühl der Zugehörigkeit, bei Familie und Freunden.

Wir brechen mit der Vorstellung von Heimat als Idylle. Heimat heißt nicht nur grüne Wiesen und Berge, intakte Familien und heile Welt. Heimat gibt es auch in einem sogenannten Problemkiez.

Wir und der Rollberg

Wir haben als Gruppe diskutiert: Wie können wir angemessen über ein so persönliches und konfliktreiches Thema wie Heimat berichten? Nur wenige von uns haben einen Migrationshintergrund und selbstverständlich hegen wir Vorurteile über Gegenden wie dem Rollbergviertel, in denen viele Einwanderer leben, die auf Sozialhilfe angewiesen sind. Wir haben uns bemüht, die eigenen Annahmen zu hinterfragen und offen an die Recherche heranzugehen.

Fünf Menschen haben uns einen Einblick in ihr Leben im Rollbergviertel ermöglicht. Dafür sind wir sehr dankbar. Klar ist auch: In zwei Wochen Recherche sind uns manche Zugänge verschlossen geblieben. Viele Menschen im Rollbergviertel haben schlechte Erfahrungen mit der Berichterstattung über ihren Kiez gemacht und standen unserem Projekt skeptisch gegenüber.

Am Ende haben wir als Redaktion die stärksten und spannendsten Geschichten ausgewählt. Durch die Form des Dokumentarfilms ohne Sprechertext zeigen wir in erster Linie die persönlichen Perspektiven der Hauptcharaktere. Unser Film hat nicht den Anspruch, ein allgemeingültiges Portrait über das Leben vor Ort zu zeichnen. Er kann nur Ausschnitte des Gesamtbilds zeigen. Diese Momentaufnahmen der Realität machen deutlich: Die Heimat des Rollbergkiezes ist genauso identitätsstiftend, bedrückend, geheimnisvoll, verlogen, überraschend und heimelig wie überall sonst.

Zurück zur HeimatÜber uns
Diese Website nutzt Kekse (Cookies) 🍪